Wofür bin ich hier?
- 16. Juli
- 7 Min. Lesezeit
Eine ehrliche Bestandsaufnahme
Hello again...
Mein letzter Post über das „offen Fahren“ hat in mir noch ganz schön nachgewirkt. Eigentlich dachte ich, es geht mir dabei nur um die Leichtigkeit im Moment. Doch als ich die Tage danach tiefer gegraben habe, wurde mir klar: Das eigentliche Thema liegt viel tiefer. Es geht nicht nur darum, das Verdeck aufzumachen. Es geht um die noch tiefer wirkende Frage, mit welchem Maßstab wir unser Leben eigentlich bewerten. Warum fühlen wir uns so oft ungenügend, obwohl wir längst unseren eigenen, freien Weg gehen? Weil wir versuchen, unser unkonventionelles Leben mit dem konventionellen Lineal der Gesellschaft abzumessen. Dieser Beitrag heute ist meine ganz persönliche Fortführung dieser Gedanken...
Nun war es ein paar Wochen still um mich und meine Blogposts. Wie schön, dass ich mir das erlauben darf. Ich danke mir selbst, dass ich mir von Anfang an einfach nichts vorgenommen habe. Kein „Einmal im Monat muss schon sein“, kein „Naja, aber eine gewisse Regelmäßigkeit sollte schon gegeben sein“. Damn it. Einen Scheiß muss ich.
Und so hat ein Gedanke, den ich heute hier mit dir teilen möchte, in aller Ruhe und in seinem ganz eigenen Tempo reifen dürfen. Es waren sogar mehrere – doch die teile ich in einem anderen Blogpost mit dir. :)

Das Leben genießen. In all seinen Facetten.
Das ist etwas, das ich selbst als eines meiner größten Ziele sehe. Vielleicht ist es sogar die Sache, die ich mit meiner leuchtenden Sonne Oma Erika in Verbindung bringe. Und am Ende ist es ja auch irgendwie Teil meiner Arbeit: Indem ich Menschen Möglichkeiten aufzeige, wie sie sich selbst guttun und an welchen Stellschräubchen sie drehen können.
Und vor allem ist es die Sache, die mir andere Menschen nachsagen. Du weißt schon, ich habe das an anderer Stelle bereits erwähnt, dieses „Du bist immer so positiv“-Dings.
In den letzten Wochen hat sich genau hier etwas in mir getan. Ich bin dankbar für ein paar Geschehnisse und Gespräche, die mir in dieser Zeit als Inspiration dienten, mir dieses Thema einmal wieder ganz genau anzusehen.
Nehme ich wirklich alles so leicht?
Bin ich eigentlich selbst auf dem Weg, den andere als den meinen sehen?
Das Leben genießen – sich selbst und das Leben erfahren, den Genuss, alle Erfahrungen voll zu fühlen, die guten wie die schlechten… Tu ich das eigentlich?
Ich habe – nicht einmal zu meiner eigenen Überraschung – festgestellt, dass meine Antwort darauf ein klares NEIN ist.
Nein, ich nehme die Dinge gar nicht so leicht.
Nein, ich bin noch lange nicht da, wo ich eigentlich hin will.
Nein, ich wäre nicht glücklich, wenn ich morgen sterben müsste. Ich würde an all das denken, was ich noch nicht erreicht habe.
Nein, ich bin noch nicht zufrieden. Nicht befriedigt, nicht befriedet – welchen Begriff man nun auch immer wählen möchte.

Der unbewusste Weg in die Freiheit
Aber – jetzt kommt’s :) – bei genauerer Betrachtung habe ich etwas Essentielles verstanden: Ich habe bereits vor Jahren begonnen, meinen eigenen Weg zu gehen.
Ich habe meinen Idealismus gelebt und jeden einzelnen Job beendet, sobald ich spürte: „Hier bin ich nicht mehr zu Hause. Hier kann ich nicht mehr wirken. Hier werde ich nicht mehr gesehen.“
Ich habe dieses flexible Modell für meinen Alltag gewählt, weil ich immer wusste, dass das konventionelle Nine to Five für mich nicht funktioniert. Ich wollte mir die Freiheit bewahren, auf meine eigenen Launen einzugehen.
Ich habe auch mein Privatleben neu geordnet und mich ganz bewusst gegen eine konventionelle Beziehung entschieden, weil sie mich einengt und ich meine eigene Welt brauche, in der die Uhren einfach etwas anders ticken.
Sogar mit dem Thema Rente und Co. hadere ich – mit dieser ganzen Idee, etwas anzusparen für eine Zeit im Leben, in der es mir angeblich nicht mehr möglich sein wird, Geld zu verdienen.
Geld gleitet mir nicht leicht durch die Finger für leblose Dinge, sondern für wertvolle Zeit: mit meiner Familie, meinen Freunden, für Reisen und für gutes Essen.
Und: Eine Woche, in der ich keinen Raum für mich hatte, keine tiefen Gespräche führen, nicht kreativ sein oder in ausreichendem Maße genießen konnte, ist für mich rückblickend einfach keine vollständige Woche.
Verstehst du das Paradoxon? Ich tausche Geld gegen Leben – im Hier und Jetzt. Und trotzdem flüstert mir eine Stimme im Kopf manchmal zu, das sei unvernünftig. Weil wir gelernt haben, dass Sicherheit im Außen (z.B. in Dingen oder auf dem Konto) schwerer wiegt als die lebendige Fülle im Innen.
Hallelujah!
Die Falle des Fremd-Maßstabs
Warum fühlt es sich dennoch manchmal nach einem „Noch-nicht-ganz“ an?
Es liegt nicht daran, dass ich meiner Bestimmung nicht folge.
Es liegt an einer einzigen Sache: Ich setze mein eigenes Leben in den Kontext mit all den anderen Leben um mich herum.
Lasst uns ein paar Beispiele anschauen:
Es kommt durchaus vor, dass ich mich im Vergleich mit anderen als „etwas strange“ sehe. Mit all denjenigen, die ihre Schäfchen bereits im Trockenen haben. Die genau wissen, dass sie in 10, 15 oder 20 Jahren, wenn sie in den Ruhestand gehen, „Geld haben werden“. Für was auch immer: Reisen, das Häuschen, den Genuss.
Es gibt auch diese Momente (du kennst das, wenn du meinen Post über die „Leid-Battle“ gelesen hast), in denen ich kurz unachtsam bin und mich peinlich berührt fühle, wenn ich Menschen von ihren stressigen Jobs erzählen höre. Vielleicht regt sich dann auch einfach der Drang in mir, klarstellen zu müssen, dass ich schon auch was arbeite. Dass ich nicht den ganzen Tag faul herumsitze – nur weil es eben nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, so zu arbeiten, wie ich es tue.
Und als Letztes sei genannt: Die ständige, leise Frage, ob mein unkonventioneller Weg überhaupt „gültig“ ist. Als müsste ich erst eine Erlaubnis einholen, um einfach ich zu sein.
Nun gut. Strich drunter. Ist es dir etwa wieder passiert, liebe Nennie? Bist du wieder in eine Falle getappt?
Offensichtlich ja.
Ein Aha :)
Letzte Woche hatte ich genau so eine Begegnung, die mich vollends dazu veranlasst hat, mich hinzusetzen und diese Zeilen zu schreiben. Ich sprach mit zwei mir sehr lieben Menschen. Er schon länger in Rente, sie erst seit Kurzem. Wir sprachen über meinen aktuell einzigen großen Traum, den ich noch ein bisschen vor mir herschiebe, aber unbedingt erreichen will: eine zweite Heimat am Meer. Die beiden waren Feuer und Flamme und konnten den Wunsch voll nachvollziehen. Und was hörte ich dann? „Naja, aber jetzt sind wir einfach zu alt.“
Wie verrückt ist das bitte?! Wir schieben die Dinge auf „später“. Vielleicht haben wir Glück und erreichen dieses magische Rentenalter gesund genug, um uns Träume zu erfüllen, für die wir ein Leben lang hart gearbeitet haben. Und dann? Dann fühlen wir uns – statt nun endlich die Welt einzureißen – plötzlich zu alt.
Die Rechnung mit dem "wenn ich dann nicht mehr arbeiten muss", lieber Mensch, geht also gar nicht auf! Wir finden immer Gründe, es gerade nicht zu tun. Erst haben wir die Kinder, dann keine Zeit, dann die Arbeit… und wenn es dann „endlich so weit ist“, sind wir zu alt.
In dem Moment hatte ich dieses riesige Aha-Erlebnis. Die beiden haben ein Häuschen, es geht ihnen gut, sie führen eine gute Ehe, sind positive, zufriedene Menschen. Und trotzdem: Jetzt fühlen sie sich zu alt, um das zu tun, worauf sie eigentlich Lust hätten. Verrückt. Einfach nur verrückt. Falls ihr beiden das lest: Ihr seid nicht alt. Menschen wie ihr werden nie alt ;)
Die letzten Tage habe ich damit zugebracht, mir dieses Aha-Erlebnis wieder völlig klarzumachen und mich selbst darin zu festigen: Ich bin irgendwie bereits da.
Irgendwie gebe ich mir selbst schon die Antwort auf die große Frage:

Wofür bin ich hier?
Vielleicht sollte ich zu dieser Frage mal einen ganz eigenen Post verfassen – so eine riesige Frage und so wenig Platz in diesem Beitrag :)!
Aber im Kern bedeutet es für mich:
Ich bin hier, um das Leben zu erfahren. Mit all seinen Facetten. Mit allem Schmerz, aller Freude, der Liebe, der Angst, der Wut, der Aufregung, der Schwere und der Leichtigkeit.
Um es wahr zu leben - nicht perfekt, sondern echt.
Um Liebe zu wählen, wenn die Angst auch lauter ruft.
Ich bin hier, um durch meine Worte eine Brücke zu bauen. Um zu zeigen, dass Freiheit nicht bedeutet, niemandem zu gehören sondern sich selbst zu gehören. Und
zu lernen, dass es okay ist, loszulassen.
Mein Leben ist kein ruhiger Fluss, sondern ein Tanz aus Mut, Neugier und manchmal auch Chaos.
Für mich ist „der Ruhestand“ kein Ziel. Das Ziel ist das Heute. Es ist nicht mein Ziel, irgendwann einmal nicht mehr arbeiten zu müssen. Ich tue einfach jetzt schon, was mir so viel Freude bringt, dass ich es auch im Alter nicht aufgeben will.
Auch ist es nicht mein Ziel, meine Schäfchen im Trockenen zu haben für irgendeinen fernen Zeitpunkt, an dem ich dann endlich reisen und meine Freizeit genießen darf.
Ich will das heute schon.
Ich möchte mich auch nicht der Angst hingeben, dass ich irgendwann einmal zu schwach sein werde, um zu wirken. Ich möchte weiter im Vertrauen leben, dass meine Energie immer genau dort sein wird, wo sie mir dient.
Mein Versprechen an mich selbst – und an dich
Was möchte ich dir heute mitgeben? Diesen Anspruch habe ich ja in jedem meiner Blogposts. Klar, ist ja irgendwie auch meine Arbeit. Und ich hoffe inständig, dass meine eigenen Erfahrungen und Gedanken dich erreichen und du dir etwas davon mitnehmen kannst.
Heute aber möchte ich vor allem eines: Ich möchte mit meinen Worten einen weiteren Punkt aktiv leben, von dem ich glaube, dass er der wahre Grund ist, warum ich hier bin: Meine eigene Authentizität.
Laut auszusprechen, dass ich mir selbst verspreche, weiterhin jeden Tag (na gut, vielleicht jede Woche 😉) dem Leben eine Antwort zu geben. Und das zu leben, warum ich hier bin.
Und wenn ich dir heute irgendetwas mitgeben könnte, dann wären es nur diese Fragen:
Warum bist DU hier? Und wann möchtest du anfangen?




Ja, erst warten wir auf die Rente, dann sind wir zu alt. Schlau.
Bleib weiter laut.