Abgebrochen oder aufgebrochen?
- 17. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Warum "Scheitern" die Auszeichnung der Mutigen ist.
Kürzlich hatte ich ein kurzes, aber wie so oft knackiges Gespräch mit einer Freundin. Sie ist seit Anfang des Jahres wieder zurück in Deutschland, nachdem sie im letzten Jahr den Plan gefasst hatte, ihren Lebensmittelpunkt ins Ausland zu legen. In diesem Gespräch kam das Thema Scheitern zur Sprache, was mich noch ein Weilchen beschäftigte. Einer der "Mindfucks" in ihrem Kopf während des Prozesses war nämlich genau dieser: "Irgendwie bin ich ja auch gescheitert."
Ich möchte heute ein paar Aspekte mit dir teilen, die mir bei diesem Gespräch in den Sinn kamen.
Als erstes nahm ich wahr, dass sich dieser Begriff des Scheiterns bereits beim Aussprechen schwer und sogar vollkommen falsch für mich anfühlt. Aber klar: In unserer Gesellschaft wird das Wort oft völlig eng definiert. Wir werden gelehrt, durchzuhalten, eine Sache zu Ende zu bringen, dranzubleiben. Und nur, damit wir uns richtig verstehen, ich spreche mich nicht dafür aus, etwas leichtfertig hinzuwerfen.
Manchmal braucht es etwas Geduld oder gar Schweiß um etwas Großartiges zu erschaffen. Und Neues fühlt sich zu Beginn nicht selten schwer an. Es kann sich durchaus lohnen, der Sache einen Moment Zeit zu geben.
Hier geht es mir um den Mut zum Kurswechsel, wenn sich etwas nicht mehr nach "DU" anfühlt. Ich glaube, die Menschen machen sich bedeutsame Entscheidungen nie zu leicht. Wenn du also schon eine Weile darüber nachdenkst, die Richtung zu ändern, kannst du dir wahrscheinlich sehr sicher sein, dass du nicht aus Leichtfertigkeit oder Sprunghaftigkeit handelst.
Auch wenn ich kein großer Fan von Kalendersprüchen bin, beim Schreiben kamen mir ein paar Bilder in den Sinn, die meine Überzeugung in all ihrer Einfachheit auf den Punkt bringen:
Ein Schiff ist nicht dafür gebaut, im Hafen zu liegen.
Wer springt, kann nunmal fallen. Es ist eine ganz einfache Rechnung: Wer seine Komfortzone nie verlässt, immer am Beckenrand stehen bleibt, der wird niemals nass.
Wenn wir bereit sind, Neues zu wagen, dann ist das Risiko, dass ein Plan nicht aufgeht, Teil des Deals. Ich glaube aber, Scheitern ist kein Makel, sondern die logische Statistik eines Lebens, das wirklich gelebt wird.
Ist es nicht sogar eine Notwendigkeit? Müssen wir nicht neue Orte aufsuchen und neue Erfahrungen machen, um überhaupt feststellen zu können, ob es uns dort gefällt? Wenn wir nicht vor Ort hinspüren, können wir niemals sicher sein, ob ein Weg wirklich der richtige für uns ist.
In meinen Augen ist es vollkommen logisch: Das Leben passiert in Wellen. Nichts bleibt statisch.
Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.
Ich glaube, dass ich gegen dieses natürliche Gesetz arbeite, wenn ich mich nicht MIT den Wellen bewege und verkrampft in einer alten Haltung verharre. Davon spreche ich, wenn ich mich der Metapher "das Leben tanzen" bediene.
Und: Wer sagt eigentlich, dass ein Scheitern ein Scheitern ist? Wie definiert sich das überhaupt?
Ich glaube, auch dir ist es schon einmal passiert: Du hattest ein Vorhaben, ein Ziel vor Augen und bist losgelaufen – nur um später deine Pläne über den Haufen zu werfen. Vielleicht hattest du bereits Menschen in deinem Umfeld davon erzählt und musstest dann vermeintlich kleinlaut zugeben, dass du deine Meinung geändert hast.
Vielleicht bist du gar nicht gescheitert.
Vielleicht hat sich auf dem Weg einfach nur dein Ziel geändert. Wir entwickeln uns ständig weiter. Unsere innere Einstellung wandelt sich, Lebensumstände verschieben sich, wir gewinnen neue Erkenntnisse über uns selbst.
Ein Ziel, das sich vor einem Jahr noch richtig angefühlt hat, DARF heute nicht mehr zu deinem Herzen passen. Die eigentliche Tragik wäre es doch, stur an etwas festzuhalten, das keinen Sinn mehr ergibt, nur um vor anderen nicht als gescheitert dazustehen.
Wahre Größe bedeutet, die Freiheit zu besitzen, den Kurs zu korrigieren, wenn man merkt, dass der Wind sich gedreht hat. Und auch ein Zurück kann in Wirklichkeit ein mutiges Vorwärts zu mir selbst sein.
Mein Impuls für dich
Hältst du gerade an etwas fest, nur weil du Angst vor dem Scheitern hast?
Und:
Was würdest du tun, wenn du nicht scheitern könntest?
Was würde passieren, wenn du das Ende eines Weges nicht als Abbruch, sondern als Update deiner Vision betrachtest?
Und die eine Frage, die mich in meinem Leben schon unzählige Male dazu gebracht hat, den entscheidenden Schritt zu gehen: Was wäre das Worst-Case-Szenario, wie sähe dein Leben in einem Jahr schlimmstenfalls aus? Wenn die Antwort ist "Im schlimmsten Fall hat sich nichts geändert.", lauf' los.

Und ich möchte dir noch etwas ganz Persönliches mitgeben. Ein Satz, der mich eingerahmt und immer sichtbar daran erinnert:
WHAT IF I FALL?
but,
oh my darling
WHAT IF YOU FLY?
Sind wir einmal ehrlich, die wenigsten Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen, sind wirklich falsch. Wir dürfen uns immer wieder daran erinnern, dass wir nicht scheitern, sondern wachsen.
Du bist hier, um Erfahrungen zu machen. Hab den Mut, einen Weg zu verlassen, der nicht mehr deiner ist. Dein Platz ist immer dort, wo dein Herz wieder weit wird.
Was, wenn alles gut geht?
Deine Nennie ☀️




Meine Erfahrung zeigt, dass es uns meistens nicht weiterbringt, wenn wir die Dinge zerdenken. Wir müssen lernen, wieder auf unser Bauchgefühl zu vertrauen.
Was, wenn alles gut geht 😍