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Die Leid-Battle

  • 8. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Warum ich keinen Applaus mehr für meine Mühe will


„Boah, ich bin heute so müde!“ – „Oh ja, ich auch – ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht.“


Kennst du dieses Spiel? Dieses bizarre Wettrennen darum, wer am Ende des Tages die schwerste Last trägt? Ich nenne das gern die „Leid-Battle“ darum, wer am wenigsten geschlafen hat, wer am härtesten „gelitten“ hat.

Spieglein, Spieglein… wer ist die Ärmste im ganzen Land?


Hast du dich auch schon mal auf diese Battle, diesen Wettbewerb eingelassen? Glaubst du auch, genau das sei die Währung, für die du Anerkennung bekommst? Ich bin kürzlich tatsächlich auch einmal wieder in diese Falle getappt.

„Das hört sich ja voll entspannt und easy an bei dir. Also bei mir ist das nicht so einfach (...)“. So wurde es mir kürzlich bei einem Smalltalk gesagt. Und ich spürte sofort diesen reflexartigen Drang, in die „Leid-Battle“ einzusteigen.



Ein „Moment mal, das ist nur EINER meiner Jobs!“ verließ noch meinen Mund und ich war kurz davor, mein Zepter der Leichtigkeit gegen eine Schaufel einzutauschen, um zu beweisen, wie tief ich auch im Dreck wühlen kann. Im ersten Moment wollte ich den Applaus für meine Mühe und beweisen, dass ich mindestens genauso „arm“ dran bin.

Doch dann trat ich innerlich einen Schritt zurück, beobachtete die Situation aus meinem stillen Zentrum heraus und verstand. Ich erkannte das verzerrte Bild, das ich gerade von mir selbst zeichnen wollte.


Wenn Freude triggert

Mir wurde klar: Ich hatte offenbar mit solcher Begeisterung und Freude von meiner Arbeit erzählt, dass meine Energie für mein Gegenüber zur Provokation wurde. Ganz typisch für meine Projektoren-Persönlichkeit habe ich in diesem Moment den Finger direkt in eine Wunde gelegt. Die Botschaft meines Energiefeldes lautete: „Schau her, es darf leicht gehen – auch wenn es viel ist.“

Damit triggere ich oft.  Und mein Ego möchte den Konflikt lösen, indem es sich klein macht und mitleidet. Aber das ist ein Systemfehler.


Der Irrtum mit dem Weg und dem Ziel

Oftmals glauben wir, wir müssten beweisen, wie sehr wir leiden, um Anerkennung zu verdienen. Aber die Wahrheit ist: Die Menschen bewundern dich nicht für deinen Stress, sie bewundern das Ergebnis. Sie sehen diejenige Version, die vor Lebenslust platzt, die Energie versprüht und zeigt, dass Arbeit Freude machen darf.

Am Ende ist es doch oft so: Niemand fragt, wie sehr du gelitten hast, um ans Ziel zu kommen. Das gleiche Phänomen lässt sich bei erfolgreichen Menschen in den sozialen Medien, im Sport oder in der Business-Welt beobachten. Wir sehen meistens nur das „Endprodukt“. Die Kehrseite dieser menschlichen Sichtweise ist, dass wir das Ergebnis oft durch die Brille des Neids betrachten: Wir sehen den Erfolg, die Gesundheit oder die Schönheit und vergessen dabei völlig, wie viel Energie und Hingabe der Weg dorthin gekostet hat.


Doch ich möchte heute das Positive aus dieser Eigenschaft ziehen: Die eigentliche Magie ist nämlich: Wenn Menschen ein Bild von mir sehen, auf dem ich entspannt in der Sonne sitze und arbeite, sagen sie: „Du siehst immer so herrlich entspannt aus bei der Arbeit.“ oder "Na, dir geht's halt gut!" Die Botschaft dahinter: “Das hätte ich auch gern!”


Das ist, was ich dir schenken möchte: ich kreiere ein Energiefeld, das zeigt: „Schau her, es darf leicht gehen.“ Wenn ich mich für Anerkennung quäle, werde ich zum Mahnmal statt zur Inspiration.


Willst du mein Mitleid? 


Der Fokus auf Schinderei generiert vielleicht Mitleid – aber Mitleid ist eine schwere, graue Energie. Das Paradoxon dabei: Unser System ist darauf ausgelegt, Zugehörigkeit zur Gruppe durch Verbindung zu sichern – auch über gemeinsames Leid. Doch in dieser schweren Energie des Leidens möchte niemand lange bleiben. Leid stößt auf Dauer ab; Leichtigkeit hingegen zieht an. 

Denn am Ende ist es immer eine Sache der Perspektive, wie ich auf Stress schaue. Stress ist oft kein objektiver Zustand, sondern die Art, wie wir uns darin bewerten. Er ist nicht das, was uns passiert, sondern das, was wir daraus machen und wie wir uns in der Situation selbst sehen.

Am Ende zählen die Tore. Es ist völlig egal, wie ich das Ziel erreiche. Ob ich dazwischen drei Tage schlafe oder in der Sonne liege, ist meine Sache. Was zählt, ist die Energie, mit der ich das Ergebnis in die Welt bringe.


Dein Reality-Check: 3 Fragen, die den Spiegel putzen

Wenn du merkst, dass du gerade kurz davor bist, dich für dein Schicksal zu bemitleiden oder in eine Battle einzusteigen, halte inne. Hier sind drei Fragen, die dich zwingen, ehrlich hinzuschauen:

  1. Suche ich gerade nach Anerkennung für mein Leiden, weil ich mir selbst nicht erlaube, für meinen Erfolg stolz zu sein?

  2. Mache ich mich gerade absichtlich schwerer, als ich bin, nur um die Verbindung zu anderen nicht zu verlieren? (Spoiler: Das ist keine echte Verbindung, das gleicht eher gemeinsamem Ertrinken).

  3. Was/wer wäre ich in dieser Situation ohne die Geschichte, dass alles „so hart“ ist?


Mein Anker für dich:

Das Mantra der Souveränität

Wenn dich das nächste Mal jemand triggert, weil er dein Leuchten als „easy“ abtut, atme tief durch und sag' dir innerlich:

„Ich darf leicht sein, damit du sehen kannst, dass es möglich ist.“

Steig' nicht in den Boxring. Behalte dein Licht an. Du bist nicht hier, um Mitleid zu sammeln, sondern um zu zeigen, dass die Welt ein Spielplatz ist – auch wenn es gerade viel zu tun gibt.


Die Welt braucht dein Leuchten, nicht deine Mühe.


Schön, dass du da bist!


Deine Nennie ☀️


 
 
 

2 Kommentare

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Gast
12. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Danke für den Impuls. Ich darf scheinen 🔆🔆🔆

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Lena
10. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Danke für den Post! Und manchmal ist es die Kunst bei sich zu bleiben! Egal wie du gerade fühlst. Auch wenn die Gesellschaft nach Energie und Good Vibs schreit. Hihg Energie oder Low Energie beides ok und manchmal sogar gleichzeitig da 😃💃🙏🏼. Ich steige einfach in keinen Battle mehr ein 😃, kann beides und das dazwischen gut. 🩷🩷🩷

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